Versicherungen und Naturwissenschaften kalkulieren Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadensausmaß, Gefahrenpotenzial und Belastung, denen der Mensch, Umwelt und Systeme ausgesetzt sind. Über diese Sichtweisen hinaus spielen jedoch für die Risikoeinschätzung für Gesellschaften und Einzelpersonen noch andere Faktoren eine große Rolle: Von Hoffnungen, Ängsten, Misstrauen, Vertrauen, über die Freiwilligkeit, sich Risken auszusetzen, bis zur Kontrollierbarkeit von Risiken und dem subjektiven Nicht-Wissen. Von Fragen, wie viele Personen betroffen sind, bis zu Einschätzungen, ob das Risiko eher man-made oder natur-bedingt ist.
Wertehaltung und Fragen nach der Vertretbarkeit sind mit ausschlaggebend bei der Bewertung von Risiko. Und damit wird Risiko individuell und von Interessengruppen sehr unterschiedlich wahrgenommen und eingeschätzt.
Eine Auseinandersetzung mit potenziellen Risiken, Unsicherheiten, Chancen und Nutzen, ein Dialog der Zivilgesellschaft und der EntscheidungsträgerInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf nationaler bzw. internationaler Ebene - trotz unterschiedlicher Sichtweisen und Bedürfnissen - schafft die Voraussetzung für die vorsorgende Bewältigung von Risiken und für den Umgang mit gesellschaftlichen Wandel und fördert die Risikokultur.
Innovationen entstehen großteils im Spannungsfeld technologischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und umweltpolitischer Einflussfaktoren, ein frühzeitiger Dialog über Chancen, Nutzen und Risiken hilft, langfristige strategische Überlegungen absichern.