Wie gehen WissenschafterInnen, WirtschafterInnen, PolitikerInnen und KonsumentInnen mit den Chancen und Risiken von Nanotechnologie um? Wie sehen die unterschiedlichen Wissens- und Informationsbedürfnisse der verschiedenen Stakeholder aus? Wie kann ein Austausch über etwas funktionieren, das so klein ist, dass man es nicht sieht und so komplex, dass man es nicht unmittelbar versteht? Wie lässt sich Kommunikation über Nanotechnologie - trotz bestehender Wissenslücken - gestalten? Welche Dynamik kann in der Kommunikation von Risikothemen entstehen? Wie lassen sich die unterschiedlichen Perspektiven der Stakeholder vernetzen, um Nutzen aus der Innovation zu ziehen und gleichzeitig mögliche Risiken zu minimieren?
Diesen und weiteren Fragen stellte sich die Initiative Risiko:dialog ab September 2007 in einem einjährigen Dialogprozess mit dem Ziel, Stakeholder und KonsumentInnen frühzeitig in einen Dialogprozess einzubinden und den Austausch unterschiedlicher Bedürfnisse und Interessen zu fördern, eine differenzierte Debatte zu Nanotechnologie zu unterstützen und damit einen Beitrag zu einem vorsorgenden Umgang mit Risiken zu leisten.
Herausforderungen für den Dialog
Die Herausforderung für den Dialog über die vielfach als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts bezeichnete Nanotechnologie beginnt bei der Begriffsdefinition, die nicht einheitlich ist, und bei Symbolen, die noch keine Übersetzung haben.
Nano leitet sich vom griechischen Wort für Zwerg (nános) ab und ist die Vorsilbe für eine Maßeinheit (Nanometer, nm), die ein Millionstel von einem Millimeter beträgt. Vielfach werden Nanotechnologien als Sammelbegriff für Technologien zur Erforschung, Bearbeitung und Herstellung von Strukturen, die kleiner als 100 Nanometer sind, verstanden. International anerkannte, einheitliche Definitionen von Nanotechnologie, Nanowissenschaft und Nanomaterialien fehlen jedoch.
Innovative Anwendungen und unerforschte Risiken
Nanotechnologie stellt die AkteurInnen vor ein prinzipielles Dilemma der Technikfolgen-Abschätzung: Dem frühzeitigen Dialog über mögliche Folgen einer neue Technologie steht im Weg, dass sich Chancen und Risiken einer neuen Technologie und ihrer zukünftigen Anwendungen am Beginn ihrer Entwicklung oft nur schwer abschätzen lassen. So eröffnet die Nanotechnologie viel versprechende Möglichkeiten für innovative Anwendungen - z. B. in der Medizin, Umwelttechnik, Pharmazie oder Lebensmittelindustrie. Dem gegenüber stehen jedoch unerforschte Risiken für Mensch und Umwelt und das Nicht-Wissen über den Einsatz von Nanopartikel.
Umgang mit Nanotechnologie in Österreich
Im Zentrum zweier Podiumsdiskussionen am 25. September 2007 in der Akademie der Wissenschaften und am 5. Dezember 2007 in der Urania stand der Umgang mit Nanotechnologie in Österreich Hochrangige VertreterInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik diskutierten mit dem Publikum über Forschungsbedarf, Sicherheitsaspekte, erhältliche bzw. sich in Entwicklung befindliche Produkte und eine vorausschauende Nanotech-Politik.
Am 6. Dezember 2007 widmeten sich AkteurInnen der Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, NGOs und Interessensvertretung mit Kommunikationfachleuten in einem Workshop im Don Bosco Haus der Frage, wie sich die Kommunikation über Nanotechnologie trotz Wissenslücken gestalten lässt, was sie leisten soll und wer beteiligt sein soll?
Zusätzlich zu den Dialogveranstaltungen kamen auf Ö1 und auf www.risikodialog.at AkteurInnen und Institutionen zu Wort, die sich bereits mit Nanotechnologien beschäftigen bzw. in diesem Forschungsgebiet Schwerpunkte setzen.
Begleitet haben den Dialogprozess regelmäßige Treffen der Themenpartner von Oktober 2007 - 2008, in denen seine Ausrichtung und seine Ergebnisse reflektiert und ein "Netzwerk für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit" diskutiert wurden.
Ergebnisse des Dialogprozesses und ein erstes Stimmungsbild zur Debatte in Österreich geben Hinweise auf Gestaltungsmöglichkeiten kommender Dialoge und sind in einem zusammenfassenden Bericht dargestellt.

Bericht
Nanotechnologie im Risko:dialog
Als Themenpartner für den Dialogschwerpunkt Nanotechnologie fungieren die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, die Austrian Research Centers GmbH, das Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend, das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, das Institut für Technikfolgen-Abschätzung, Joanneum Research/NANONET Styria/BioNanoNet GmbH und das Lebensministerium.