Im Rahmen des aktuellen Dialogschwerpunkts "Risiko Energiegesellschaft" fand am 19. Juni 2008 auf Einladung der Initiative Risiko:dialog von Umweltbundesamt und Radio Österreich 1 eine Fokusgruppe statt. Die TeilnehmerInnen waren zwischen 23 und 71 Jahre alt und sind in verschiedenen Bereichen tätig, von Film über Studium und Lehrtätigkeit bis hin zur Raumplanung.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde kam es zu einer lebhaften Diskussion, im Mittelpunkt standen die sozialen Risiken einer Energiegesellschaft. Die Beiträge waren dem Thema und der Mischung der Gruppe entsprechend vielfältig. Es wurde über die aktuell steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel, über Lebensstil, Bewusstseinsbildung, Mobilität, Individualität versus Gemeinschaft bis hin zu Wirtschaft, Konsumverhalten und die Rolle der Werbung diskutiert.
Als Risiko, mit dem eine Energiegesellschaft konfrontiert ist, kam bei diesen Themen wiederholt das Spannungsfeld der individuellen und gemeinschaftlichen Interessen zur Sprache. Als einer der Brennpunkte wurde die soziale Ungleichheit genannt. Sowohl auf nationaler Ebene öffne sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter, international nehmen die Ströme an Klimaflüchtlingen zu, sei es aus Gründen der Ressourcenknappheit oder wegen Naturkatastrophen. Es wurden die eigenen Möglichkeiten und die Handlungsspielräumen der Politik hinterfragt - "Wie sinnvoll ist mein Beitrag zum Energiesparen, müssten nicht viel wesentlichere Dinge passieren?" - "Was kann oder soll der Staat vorgeben?" - "Warum sind die Maßnahmen der Politik nicht ausreichend, nicht wirksam genug?" - und die fehlenden Berührungspunkte zwischen öffentlichen Bildungssystem und Wirtschaftseliten erwähnt, - "Wie opportun handeln Menschen oder Interessensgruppen?".
Während im Verlauf der Diskussion TeilnehmerInnen die intergenerationelle Verantwortung in den Mittelpunkt stellten, Vorbild Elternhaus, Bildung in Schulen in den Mittelpunkt - "Wie kann man Bewusstsein für nachhaltige Energienutzung und -versorgung vorantreiben?" - "Wer vermittelt ethisches Bewusstsein?", sprachen andere den Bereich Wirtschaftsethik und Werbung an. Überlegungen zu Lebensstil und Wohlstand warfen Fragen auf wie "Muss nicht Individualität an sich in Frage gestellt werden?" - "Ist Mobilität und Reisen ein Grundrecht?" - "Sollte Gesellschaft nicht die eigene Geschwindigkeit hinterfragen, entschleunigt werden?".
Im abschließenden Dialog zogen die TeilnehmerInnen das Fazit, dass einerseits schnelle Lösungen wie die Förderung von energieeffizienten Technologien, auf der anderen Seite gesellschaftliche Innovationen wichtig wären. Dies zu erreichen setzt vermehrte Auseinandersetzung mit den Risiken, die eine Energiegesellschaft trägt, voraus, dazu Bewusstseinsbildung und vor allem Bereitschaft zum Handeln auf politischer und gesellschaftlicher Seite.
