Nachlese Fokusgruppe Niederösterreich

Am 5. November 2008 fand eine weitere ExpertInnen-Fokusgruppe im Rahmen des Dialogschwerpunktes Risiko Energiegesellschaft in Niederösterreich statt. Auf Einladung des Landesrats DI Josef Plank nahmen ExpertInnen aus Institutionen, Verwaltung, Wirtschaft und Beratung teil. Die Diskussionsbeiträge dienen der inhaltlichen Vorbereitung einer BürgerInnenkonferenz, die an zwei Wochenenden im März statt findet. 

Die eineinhalbstündige Gruppendiskussion begann nach der Präsentation des Umweltbundesamt und der Initiative Risiko:dialog von Dr. Elisabeth Friedbacher und des Dialogschwerpunkts Risiko Energiegesellschaft von Mag. Silvia Benda-Kahri mit einer Vorstellungsrunde der TeilnehmerInnen und der Eröffnungsfrage: "Welche Assoziationen haben Sie zum Thema Risiko Energiegesellschaft?", auf die die Frage "Welche Risiken sehen Sie in einer Energiegesellschaft und zwar unter der Berücksichtigung von Aufbringung, Verteilung und Verbrauch?" folgte.

 Im Fokus der anschließenden Diskussion standen Komplexität und Untrennbarkeit der unterschiedlichen Risiken einer Energiegesellschaft, abschließend erörterte die Runde Ansatzpunkte für Lösungen. 

Das Thema Klimawandel wurde von mehreren Personen als Risiko, mit der eine Energie intensive Gesellschaft konfrontiert ist, erwähnt, einerseits beschleunige sowohl ein weiterhin unveränderter "ökologischer Fussabtritt" als auch Wirtschaftswachstum als Voraussetzung für unseren Wohlstand den Klimawandel. Der Energie- und Ressourchenverbrauch habe sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten verdoppelt. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Andererseits seien die möglichen zukünftigen Strafzahlungen an die EU sinnvoller eingesetzt, würde heute in energierelevante Maßnahmen investiert. 

In Bezug auf fossile Energieträger wurde deren Endlichkeit als Risiko eingestuft, in Folge wies man auf die Energiebezugsquellen hin und führte geopolitische Risiken an, jene der Abhängigkeit von multinationalen Unternehmen und deren enorme Marktmacht. Internationale Verteilungskämpfe und soziale Spannungen seien weitere mögliche Gefahren. Darüber hinaus gebe es ein Spannungsverhältnis von Sozialpolitik und langfristigen Klimaschutzstrategien, zum Beispiel habe ein sinkender Automobilabsatz positive Auswirkungen auf die Umwelt. Dem gegenüber stehen negative Effekte auf eine Vielzahl von Arbeitsplätzen. Es wurde festgehalten, dass für die Bevölkerung die Einkommenssicherung, Arbeitsplatz, Familie und die tägliche Versorgung Priorität haben. 

Preissteigerungen werden in verschiedenen Bereichen wie "Tanken" und "Lebensmittel" unterschiedlich wahrgenommen und kommentiert, Risiken seien die ungenügende Information über Zusammenhänge zwischen Energieaufwand und Produkt und die mangelnde Transparenz der Preisgestaltung. Mobilität sei ein "glühendes Kohlen"-Thema, für die Planung der Versorgungseinheiten und -einrichtungen wie Biogas-Tankstellen, flächenabhängigen Energieträgern, Solarenergie, uvm. brauche es Raumplanungs- und Flächennutzungskonzepte. Die Umsetzung stehe dem Risiko einer fehlenden Struktur gegenüber. Des Weiteren wurde die zu geringe Sanierungsrate von Häusern erwähnt, einer der Gründe - die Motivation zu investieren ist bei Eigenwohnheim und Eigentum von vermietetem Wohnraum unterschiedlich. 

Beim Thema Energieversorgung wurde auf die Risiken einer zentral organisierten Versorgung hingewiesen, in Folge auf jene einer dezentralen Versorgung, die hohen Steuerungsaufwand darstelle. Es kam zur Sprache, dass die Zeit- und Planungshorizonte von Politik und Wirtschaft sehr unterschiedlich seien, Legislaturperioden wurden zu viel längerfristigen wirtschaftlichen Investitionen in Beziehung gesetzt. Atomenergie, die offene Frage der Endlagerung und die Kostenwahrheit wurden diskutiert. Als Risiko wurden weiters die Prioritäten der Themen erwähnt, Ressourcen- oder Umweltthemen können oft mit wichtiger bewerteten tagespolitischen Themen wie Finanzkrise nicht konkurrieren.

Die verzahnte Komplexität der unterschiedlichen Risiken und jener der Umwelt- und Sozialpolitik wurde mehrmals hervorgehoben, - "Kapitalmarktproblematik, Energieproblematik und Klimaschutz". Folgerichtig sahen TeilnehmerInnen der Fokusgruppe eine große Gefahr darin, dass es kein gemeinsames Ziel gäbe wie beispielsweise "Erdölfreie Gesellschaft 2020" in Schweden. Zurückgeführt wurde dies auf eine fehlende Energiepolitik der letzten Jahre und auf die divergierenden Ziele verschiedener Gruppen. 

Lösungsansätze

Als mögliche Lösungsansätze kamen zur Sprache: Motivation durch Förderungen, ein auf verschiedene Produkte anwendbares "Nachhaltigkeits-Labeling", Verbote, wie diese schon durch Raumordnung existieren, höhere Bedeutung von Transparenz und Umweltrelevanz, ein Wirtschaftssystem, das im Gegensatz zu Personalreduzierung Ressourcenschonung und geringeren Energieverbrauch belohnt, eine sinnvolle Kombination von de- und zentraler Energieversorgung mit großer Bedeutung der Raumordnung, kompromisslose Hinwendung zu erneuerbaren Energien, Effizienzsteigerung und differenzierte Betrachtungsweise nach Sektoren und Zielgruppen. 

TeilnehmerInnen der Fokusgruppe sahen schlussendlich auch gesellschaftlichen Wertwandel und Veränderung des Konsumverhaltens als wesentliche Ansatzpunkte. Einklang zwischen langfristigen Nachhaltigkeitszielen und kurzfristigen sozialen Betroffenheiten zu erreichen durch effizienten und nachhaltigen Umgang mit Energie sei ebenso wichtig, wie das Wohlstandsgefühl zu erhalten. Dazu brauche es außerdem Konsequenz bei den bereits bestehenden Zielen und kreative Kommunikationsformen für unterschiedliche Zielgruppen, da vielen Entscheidungen lange Lernprozesse vorangehen.

 

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Letzte Änderung: 10.06.2009