Am 12. September 2008 fand im Rahmen des Dialogschwerpunkts Risiko Energiegesellschaft eine ExpertInnen-Fokusgruppe in Salzburg statt. Daran nahmen auf Einladung des Landesrats Fachleute aus Institutionen, Verwaltung und Beratung teil, weitere kamen aus dem Sektor Bauen und Wohnen und Verkehr.
Die eineinhalbstündige Gruppendiskussion begann nach einer Vorstellungsrunde mit der Eröffnungsfrage nach den Assoziationen zum Thema Risiko Energiegesellschaft, auf diese folgte eine vertiefende, weiterführende zu den Risiken unter Berücksichtigung von Energieaufbringung, -verteilung und -verbrauch.
Energieabhängigkeit wurde als eine der ersten Assoziationen genannt. Diese bezog sich auf die Verletzlichkeit der Systeme, aber vor allem auf die Notwendigkeit von Energie im Alltag. In einer späteren Phase der Diskussion wurde der hohe Energieverbrauch in Zusammenhang mit Wirtschaftswachstum als Risiko ausführlich erörtert. Zurückgeführt wurde dies auf steigenden Verbrauch in Informations- und Kommunikationstechnologien und auf die Zunahme von Single-Haushalten.
In Bezug auf Versorgung wurde als Risiko Versorgungssicherheit und Importabhängigkeit vom Osten erwähnt. Von einem Teilnehmer der Fokusgruppe wurde eingeworfen, dass Themen Dezentralität, Energiemix und Energieeffizienz den Endverbraucher nicht interessieren würden, sondern im Fokus Verzicht und Kosten stünden, letzteres, in Verbindung mit Importabhängigkeit, wurde auch von anderen als zentrales Risiko genannt.
Aus der Perspektive der Wirtschaft und der Wissenschaft wurde die Endlichkeit der fossilen Energieträger in Diskussion gebracht, aber zugleich wurde auch die begrenzte Leistungsfähigkeit der erneuerbaren Energien wurde als weiteres Risiko genannt. Weiters wurde erwähnt, dass die Anreize, Energie einzusparen zur Zeit zu gering seien, aber auch Interesse fehlen würde, Planungshorizonte für Versorgungskonzepte zu kurz greifen und es zu wenig Energieberatung gäbe. Als ein Risiko wurde auch die Standortfrage von Unternehmen identifiziert und Kommunikation, die Angst forciere, denn diese verhindere die Sicht auf mögliche Chancen.
Lösungsvorschläge
In der Diskussion beschränkten sich die TeilnehmerInnen nicht nur auf das Aufzeigen von Risiken, sondern suchten nach Lösungswegen: Dazu gehörten politische Entscheidungen und Anreizsysteme wie zum Beispiel steuerliche Begünstigungen bei Haushaltsgeräten mit hoher Energieeffizienz, Förderungen als Richtlinien für die BürgerInnen und Rahmenbedingungen dafür; mehr hocheffiziente Endgeräte zuzulassen, Vereinheitlichung bzw. Harmonisierung rechtlicher Bestimmungen, Renovierungs- und Baurichtlinien sollen Energiesparen mitzuerfassen, ein Tarifsystem, das Anreize für einen geringeren Verbrauch bietet, zeitnahe Strommessung bzw. Sichtbarmachen des Energieverbrauchs und vieles mehr. Aufgrund der Komplexität des Themas Energieeffizienz, brauche es einen Konsens und klare Botschaften, um nachhaltige Energiekultur attraktiver zu machen: "Energiesparen muss sexy sein!"
Die Moderatorin der Fokusgruppe, Dr. Elisabeth Friedbacher, Energieexpertin des Umweltbundesamtes fasste die Ergebnisse der Diskussion auf drei Schwerpunkte für die nachfolgende Bürgerkonferenz zusammen: "Die Diskussion hat drei wesentliche Risiken für die Energiegesellschaft aufgezeigt: Das Risiko der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, von Importen und des steigenden Energie- bzw. Stromverbrauchs, das Risiko der Versorgungssicherheit im Bereich der Netze, der dezentralen und zentralen Versorgung sowie der Aufbringung und das Risiko des gesellschaftlichen Konsens. Eine Verhaltens- und eine Einstellungsänderung brauchen sehr viel Wissen und Information. Dies ist derzeit noch nicht ausreichend vorhanden."
"Ein klarer Auftrag, im Bereich der Energieberatung, der Bewusstseinsbildung und der Informationsarbeit intensiv weiter zu arbeiten. Ergänzend dazu werde ich auch künftig das Fördersystem im Bereich der erneuerbaren Energie und zur Steigerung der Energieeffizienz weiterentwickeln und ausbauen, um noch mehr Anreize zum Umstieg zu schaffen", so Energie-Landesrat Sepp Eisl abschließend.
