Im Rahmen des Dialogschwerpunkts Risiko Energiegesellschaft wurde am 29. September 2008 eine Fokusgruppe in Vorarlberg mit Unterstützung der Landesregierung durchgeführt. Bei dieser diskutierte eine Runde an MeinungsführerInnen aus dem Energiesektor über Risiken, mit denen eine Energie orientierte Industriegesellschaft konfrontiert ist. All die Themenkreise dienen der inhaltlichen Vorbereitung für eine BürgerInnenkonferenz, die im Frühjahr 2009 stattfinden wird.
Nach einer Vorstellungsrunde wurde nach den Assoziationen zum Thema Risiko Energiegesellschaft gefragt. Mit dem Statement "ohne Energie läuft überhaupt nichts mehr" wurde zu Beginn das Risiko der Versorgung genannt, das sowohl die Trinkwasserversorgung als auch Mobilität und Kommunikation beträfe, aber auch Licht, Wohnen, Heizen uvm.
Beim Thema der Versorgungssicherheit wurde das Risiko der Importabhängigkeit angesprochen, von politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit von politisch instabilen Ländern über Lieferengpässen bis zur Preisgestaltung. Versorgungssicherheit habe eine große Bedeutung für attraktive Wirtschaftstandorte und deren Wettbewerbsfähigkeit und damit eine soziale Dimension, war Tenor weiterer Wortmeldungen. Auswirkungen auf Arbeitsplätze sahen die DiskutantInnen auch aufgrund des Handels mit Emissionszertifikaten und damit verbunden eine drohende Abwanderung von hochemitierenden Industriebranchen.
Soziale Risiken
Als weitere soziale Risiken wurde auf die Entwicklung der Energiepreise gezeigt, die ohne notwendige Lenkungsmaßnahmen eine Zweiklassengesellschaft verursachen könnten. Landesrat Erich Schwärzler sprach aber auch von seiner Überzeugung "dass es Begeisterung im Bereich Energieeffizienz, Energieeinsparung und der erneuerbaren Energie gibt", dafür seien aber verlässliche politische Rahmenbedingungen von Nöten.
Das Risiko, das in der Kommunikation liegt, wurde in Folge von verschiedenen TeilnehmerInnen aufgegriffen ebenso wie die Notwenigkeit über Risiken in Dialog zu treten, um Handlungsräume zu erkennen, in denen "innovative Trends nicht zu schnell vorauseilen, so dass so viele wie möglich aus der Mitte nachziehen". Dabei wurde sowohl die Trägheit der Menschen, aber auch jene der Politik und Wirtschaft in Feld gebracht, die dazu führe "dass die notwendigen Schritte nicht gesetzt werden".
Von nahezu allen DiskutantInnen wurde das Risiko genannt, dem die Umwelt bei anhaltend hohem Bedarf und steigendem Verbrauch von Energie. ausgesetzt sei. Weitere Assoziationen zu Risiko Energiegesellschaft waren Ausführungen zu "Peak Oil", also dem Erreichen einer Förderspitze fossiler Energieressourcen, und eine mögliche Renaissance der Kernkrafttechnologie.
Zusammenfassung
Im Hauptteil der Diskussion standen die Themen Abhängigkeit und deren Auswirkungen im Mittelpunkt. Diese betreffen sowohl die Einzelperson, die im Alltag von Versorgung mit Energie abhängig ist, als auch die Abhängigkeit des Staates von Energieimporten. Der zweite Teil dreht sich um den Veränderungsprozess, der bereits begonnen hat. Dieser Prozess soll dazu dienen, die Sicherheit zu vergrößern, also die erkennbaren Risiken zu minimieren, aber auch Räume zu finden, in denen sich Veränderungen, angepasst an die verschiedenen Geschwindigkeiten, vollziehen können. Zu den Veränderungsprozessen wurde Kommunikation als eigener wichtiger Punkt erwähnt.
Der dritte Themenkreis handelte von Rollen, Rollenverständnis und unterschiedlichen Verantwortlichkeiten. Dabei wurde Politik, Wirtschaft und BürgerInnenschaft genannt. Politische Rahmenbedingungen und kontinuierliche Begleitung des Veränderungsprozesses einerseits, während die Wirtschaft gefragt ist, Chancen zu erkennen und gegebenenfalls schnell genug zu reagieren. Bei den BürgerInnen spielt das Thema Kommunikation eine wichtige Rolle, sowohl die Risikokommunikation als auch Informationspolitik, um Begeisterung zu wecken, die Chancen zu erkennen, die in Veränderungsprozessen stecken, damit dieser kontinuierlich fortgesetzt wird und vielleicht auch schneller stattfinden kann.
Landesrat Erich Schwärzler betonte zum Schluss, dass "jedes Risiko eine Chance birgt, große Abhängigkeit trägt auch die Chance regionaler Energie in sich. In Veränderungsprozessen soll Sicherheit vergrößern werden. Und zum Rollenverständnis - jeder ob BürgerInnen, Wirtschaft oder Politik muss sich fragen: Was ist mein Beitrag in der Frage - Risiko Energiegesellschaft - Chance Energiegesellschaft?"
